Bericht vom 13.04.2002 (Schwarzwälder Bote)


Die Turbulenzen im Leben souverän gemeistert

Hubert Leicht ist begeisterter Flieger - und nun auch Flugzeugbauer / Betrieb für Schweißtechnik auf Sulz-Kastell

Mit Herz und Seele . . .
Die Fliegerei war zuerst Hobby, dann Beruf: Seit zwei Jahren ist Hubert Leicht selbstständig mit seiner Firma "Leicht GmbH - Fachbetrieb für Schweißtechnik und Ultraleicht-Flugzeugbau" auf Sulz-Kastell. (Foto: Schleh)

 

Von Bernd Schleh (sb)

Sulz. Vor rund 40 Jahren bekam er von seinem Vater ein Modell- flugzeug zu Ostern geschenkt - heute baut Hubert Leicht selbst Flugzeuge, in seiner Werkstatt auf Sulz-Kastell. Keine Modelle, sondern solide Ultraleicht-Flieger. Bis zur Verwirklichung seines  Kindheitstraumes musste  der aus Witterhausen stammende Tüftler so manche Turbulenzen über- stehen, nicht nur in der Luft, sondern auch im gewöhnlichen Leben.

  Mit dem ersten Modellflugzeug wurde bei mir ein Instinkt ge- weckt", sagt Leicht. Nach dieser Initialzündung drehte sich in der Freizeit des jungen Wittershausers so ziemlich alles um die Fliegerei. Mit dem Konfirmandengeld kaufte er seine erste Fernsteuerung. Auch die Löhne aus Mechaniker- Lehre flossen vorwiegend in sein liebstes Hobby. Beim Bund be- warb sich Leicht selbstverständlich bei der Luftwaffe - mit bedingtem Erfolg. Das Multi-Talent kann heute darüber schmunzeln: "Die steckten mich einfach in die Flugabwehr, das war eigentlich nicht das, was ich mir vorgestellt hatte."

  Beruflich bildete sich Leicht kontinuierlich weiter. Er machte eine zweite Ausbildung als tech- nischer Zeichner und war fortan als Konstrukteur in verschiedenen Unternehmen tätig. Alles lief bestens.  Endlich konnte er den lange ersehnten Flugschein für Ultraleicht-Flieger machen und selbst in die Lüfte aufsteigen. Er investierte für die Ausbildung in Memmingen ein halbes Jahr lang jedes Wochenende - 60 Stunden Theorie, 25 Flugstunden sowie eine Woche Funklehrgang - und rund 5000 Euro. Das nächste Ziel war natürlich ein eigenes Flugzeug.

  Doch daraus sollte zunächst nichts werden. Die Abteilung, in der Leicht seit Jahren arbeitete, wurde aufgelöst. Er selbst landete auf der Straße. An diese Zeit denkt der Flugzeug-Konstrukteur nicht gerne zurück: "Für mich ist damals ein Traum geplatzt." In der Folgezeit erfuhr er was es bedeutet, keine Arbeit zu haben: "Ich kam mir vor wie ein Mensch zweiter Klasse."

  Doch einfach aufgeben ist die Sache von Hubert Leicht nicht. Mit großer Unterstützung seiner Frau besann er sich auf seine Fähig- keiten und nahm zunächst seinen großen Traum in Angriff: das eigene Flugzeug. Für einen neuen Flieger reichte das Geld nicht, doch mit der Abfindung seines ehemaligen Arbeitgebers konnte er den Bausatz für ein Ultraleicht- Flugzeug kaufen. Der Container mit den unzähligen Stangen, Seilen, Tüchern und Plastikteilen kam kurz vor Heiligabend 1998 in Witters hausen an. Ein Blick genügte, und das Bastelfieber war entfacht. Leicht hat heute keinen Zweifel: "Das war mein schönstes Weih- nachten."

  Gleich am ersten Feiertag ver- schwand er in seiner Werkstatt. Die verließ er im nächsten halben Jahr nur noch selten. Um den großen Flieger im Untergeschoss bauen zu können, musste er eigens eine Wand durchbrechen. Mehr als 700 Arbeitsstunden steckte er in das Fluggerät. Im Frühjahr wurde vor dem Haus weitergewerkelt. Das Projekt von Hubert Leicht war nicht nur bei den Nachbarskindern eine Attraktion. Im Sommer schließlich stand der Rohbau.

  Vom begutachtenden Ingenieur gab es ein dickes Lob. Im Herbst war der Flieger komplett fertig. Beim Test-Flug wollte sich Leicht erst nicht in die Maschine setzen, doch
  der Gutacher ließ ihm keine Wahl: "Du kommst mit, du hast die Kiste schließlich auch gebaut." Nach dem Start folgten wohl die schönsten Minuten im Leben des Helmut Leicht: "Das war ein un- glaubliches Gefühlen." Keine Spur mehr von Selbstzweifel, die ihn als Arbeitslosen geplagt hatten. Leicht erinnert sich: "Da war man endlich wieder jemand."

   Beim Bau seines Fliegers hat Leicht viel gelernt: Nieten, Schweißen, Tucharbeiten. Für ihn war rasch klar: "Jetzt mache ich mich selbstständig." Über Kurse des Arbeitsamtes bildete er sich weiter. Er legte mehrere Schweiß- Lehrgänge ab, besuchte Seminare für EDV, Buchführung und Mana- gement. Im Jahr 2000 war es dann soweit: Hubert Leicht mietete eine Halle in der Meboldstraße 6 auf Kastell und gründete sein Unter- nehmen: die Leicht GmbH, Fach- betrieb für Schweißtechnik und Ultraleicht-Flugzeugbau. Jetzt steht sein zweiter Flieger vor der Fertig- stellung.

   Auch alle Arten von Reparaturen an Fluggeräten führt der Witters- hauser Tüftler durch. Die Kunden kommen aus ganz Baden- Württemberg. Leicht ist zufrieden: "Das ist gut angelaufen." Mit seinem zweiten Standbein, der Schweißtechnik, hat sich Leicht vor allem auf das sogenannte "WIG- Schweißen" spezialisiert. Auch das Edelstahl-, das Stahl- und Alu- Schweißen bietet Leicht individuelle Lösungen an.

  Der reife "Jungunternehmer" hat einen Traum verwirklicht. Beim Blick zurück sagt er: "Trotz aller Turbulenzen, ich bereue nichts."

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